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Zur Gründung der Interessengemeinschaft Schacht Dölitz

 

Wer heute als Erholungssuchender durch das Landschaftsschutzgebiet Lößnig-Dölitz spazieren geht, wird sich kaum vorstellen können, dass er sich über einem in ca. 70 Meter Tiefe liegendem ehemaligen Braunkohleabbau befindet. Wenigen ist auch bekannt dass hier in den Jahren zwischen 1895 und 1959 fast durchgängig Braunkohle gefördert wurde.

Der vom Park aus zu sehende Förderturm, das „Technische Denkmal Förderturm Schacht Dölitz“, einziger Tiefbauschacht im Stadtgebiet, gehört zu den interessantesten Zeugen Leipziger Industriegeschichte und charakterisiert die industrielle Kohleförderung unter Tage zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Gute wirtschaftliche Voraussetzungen, bestätigt durch ein erstelltes geologisch-hydrologisches Gutachten, führten im Frühjahr 1895 zur Eröffnung der Braunkohlengrube Dölitz.

Ein 73 Meter tiefer Förderschacht und ein 68 Meter tiefer Wetterschacht wurden „abgeteuft“, wie die Bergleute sagen und Ende 1902 die erste Braunkohle gefördert. Das Abbaufeld besaß insgesamt eine Ausdehnung von 3,8 km² und umfasste einen Braunkohlenvorrat von 25 Millionen Tonnen. Die Fördermenge belief sich in Spitzenzeiten jährlich auf etwa 180.000 Tonnen Rohbraunkohle.

Obwohl das Braunkohlenwerk Dölitz ein bedeutender Energielieferant der Stadt Leipzig war, wurde die offizielle Förderung im Juni 1959 eingestellt und bis 1984 alle Strecken und Schächte verfüllt.

Trotz Aufnahme in die Liste der Kulturdenkmale der Stadt Leipzig stand der Förderturm mit seinen übertägigen Anlagen 1974 kaum im öffentlichen Interesse. Durch mangelnde Unterhaltungsarbeiten verfiel die Schachtanlage zunehmend und sollte Ende der Siebzigerjahre abgerissen werden. Zum Glück verhinderten fehlende Abbruchkapazitäten den kompletten Abriss der Schachtanlage.

Seit den Achtzigerjahren kämpften Andreas Berkner vom Dachverband „Mitteldeutsche Straße der Braunkohle“ und Walter Hocquél, damaliger oberster Denkmalschützer des Regierungsbezirks um den Erhalt der schon vom Verfall gezeichneten Schachtanlage Dölitz.

Erst nach der Wende gelang es im Rahmen des „§ 4 - Maßnahmen des Verwaltungsabkommens zur Braunkohlesanierung“ die Mittel für eine umfangreiche Grundsicherung zu bekommen, die sich laut damaligen Presseberichten auf rund 1 Millionen Mark beliefen.

In Gesprächen und Verhandlungen des damaligen Projektträgers der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbh (LMBV) mit dem ortsansässigen Technologie- und Berufsbildungszentrum Leipzig gGmbH (tbz) und dem Verein für Technische Sicherheit und Umweltschutz Gotha (TSU e. V.) bildete sich das gemeinsame Interesse: die Schachtanlage vor dem endgültigen Verfall zu bewahren und den Braunkohlentiefbau der Region für die breite Öffentlichkeit zu dokumentieren.

Zu diesen Gesprächen wurde auch der junge Architekt Hartmut Kauschke eingeladen. In seiner Diplomarbeit über den Schacht Dölitz bescheinigte er dem Ensemble, „das neben dem Memorialwert einen hohen baukünstlerischen Wert besitzt“ und erstellte ein erstes Nutzungskonzept. Seiner darauffolgenden Idee, die Bildung einer Interessengemeinschaft für den Schacht Dölitz, folgten im Juni 2001 ehemals aktive Bergleute aus dem Braunkohlenwerk Dölitz und an Bergbau Interessierte aus öffentlichen Institutionen. Sie alle verband das gemeinsame Ziel, die denkmalgeschützte bergbauliche Anlage vor dem weiteren Verfall zu bewahren und über die künftigen Nutzungsmöglichkeiten zu sprechen.

Im Juni 2003 stellte sich die IG zum ersten Mal umfassend der Öffentlichkeit vor. Vier Schaukästen am alten Schachtgebäude „Neue Sortierung“ in der Friederikenstraße gaben die ersten Überblicke über die bewegte Vergangenheit des Braunkohlenschachtes. Sie entstanden in enger Zusammenarbeit der IG mit dem ersten ABM Projekt des tbz, das bereits zu diesem Zeitpunkt die Aufarbeitung der Geschichte des Braunkohlenwerkes und die Pflegearbeiten der alten Schachtanlagen übernahm.

Die von nun an fortführenden ABM Projekte, die im Zusammenwirken der IG mit dem tbz, der LMBV, dem TSU e.V. und dem SIB (Sächsischen Immobilien und Baumanagement), dem Verwalter des Eigentümers des Freistaates Sachsen, entstanden, waren sehr erfolgreich. So wurde erstmalig am Tag des offenen Denkmals 2003 die Außenanlagen des Schachtgeländes für Interessierte geöffnet.  Bereits im folgendem Jahr führten die IG Mitglieder die Besucher durch das vom tbz komplett sanierte und museal aufbereitete Maschinenhaus. Informationstafeln mit Originaldokumenten gaben erste Einblicke in die Geschichte des Braunkohlenwerkes, vormals „Gewerkschaft Leipzig - Dölitzer Kohlenwerke“ und wurden in den folgenden Jahren erweitert. Mit dem Rückbau und der Sanierung der alten Heiz- und Kesselanlage sowie die Freilegung der über weit 100 Jahre alten Flammrohrkessel (2005 bis 2006), kamen sie ihrem Ziel, der musealen Nutzung der alten Bergbauanlagen, einen großen Schritt näher. Komplettiert wurde die Außenanlage durch eine ebenerdig nachgestaltete Untertage-Strecke.

Auch die Räume im Inneren des Schachthauses bieten inzwischen einen attraktiven musealen Anblick.

Ein u. a. im Rahmen der ABM Projekte gebautes 3D-Modell der Schachtgebäude und Förderanlagen unter Tage der „Gewerkschaft Leipzig - Dölitzer Kohlenwerke“, das gemalte Wandfries der „Freiberger Berg- und Hüttenparade“ und auch die gemalten Abbaufelder der Stadt Leipzig dokumentieren ausführlich die Geschichte des ehemaligen Braunkohlentiefbaus. Außerdem können in eigens dafür hergestellten Glasvitrinen z. B. Sammlungen alter Originaldokumente, Geräte zur Grubenrettung oder auch Leihgaben ehemaliger Bergleute vorgestellt werden.

Der heutige Anblick auf das Fördergerüst mit seinem Schachthaus, den Resten der Förderbrücke und der angrenzenden Neuen Sortierung mit Absperrung und Sicherheitstunnel für Personen und gespannte Netze an der Rasenhängebank für eventuell herunterfallende Teile, zeigt dem Betrachter die heute bestehende finanzielle Situation des Förderschachtes Dölitz .

Das engagierte Wollen der IG,SIB, TSU e. V. und des tbz, die durch ihre ABM-Projekte wesentlichen Anteil an der Erhaltung und musealen Gestaltung des Denkmals hat, hilft nicht allein dem Fortbestand des einmalig eingestuften Industriedenkmals im Stadtgebiet von Leipzig, sondern nur eine tragfähige finanzierbare Lösung.

Allzu sehr gleicht die heutige Konstellation der der Siebzigerjahre: Damals fehlten die finanziellen Mittel für den Abriss, heute für den Erhalt und Fortbestand des technischen Denkmals.

 

 Glück auf!

Interessengemeinschaft im Bürgerverein Dölitz e. V.  | erika.end@schacht-doelitz.de